Autorin Leslie Berlin

Eigentlich wollte Leslie Berlin ihre Doktorarbeit in Stanford über Rassenbeziehungen im 19. Jahrhundert schreiben. Doch es kam anders. Heute leitet die Historikerin die Silicon Valley Archives der US-Eliteuni und hat vor kurzem das Buch „Troublemakers“ veröffentlicht. Darin portraitiert Berlin sieben Frauen und Männer, die das berühmte Tech-Tal in den 70er und frühen 80er Jahren mitgeprägt haben – von der Erntehelferin, die zur Personalchefin einer IBM-Tochter aufstieg, bis zum Erfinder des ersten Videospiels „Pong“.

Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung in dieser Zeit vergleicht sie im Podcast-Gespräch mit Tech-Journalistin Kara Swisher mit den Beatles: „1963 spielten sie noch Covers von Little Richard – und 1970 hatten sie schon die komplette Musikwelt und die breitere Kultur verändert“. In beiden Fällen sei es gewesen, „als würde man dem Urknall zusehen“.[contentad keyword=“adsensegs1″ align=“left“]

Über Menschen wie die Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak, die seinerzeit in ihrer berühmten Garage werkelten, sagt Berlin: „Das waren im Grunde genommen Aussteiger, die es in einer echten, anständigen Firma nicht schaffen konnten. Der Gedanke, loszugehen und sein eigenes Ding zu versuchen, war damals noch sehr neu.“ Im Buch konzentriert sie sich jedoch auf heute weniger bekannte Persönlichkeiten, darunter Sandy Kurtzig, die erste Frau, die ein Silicon-Valley-Unternehmen an die Börse brachte, oder Bob Taylor, einer der Väter des Internets.

Sie seien nicht nur wagemutig gewesen, sagt Berlin über ihre Protagonisten, sondern auch hartnäckig. „Ich glaube, die Leute verkennen, dass das zusamen mit dem Mut kommen muss. Es ist leicht, mal aus allen Rohren zu feuern, aber du musst das auch aufrechterhalten können.“ Bei allem Selbstbewusstsein dürfe man außerdem nie vergessen, dass Erfolg vergänglich sei: „Die Leute können das sehen, wenn sie bei Facebook vorbeigehen und sich fragen, warum sich das Logo vor der Tür so oft verändert“, erzählt Berlin. „Die Antwort ist, dass es sich nur um ein großes Stück Leinwand handelt, das über das alte Schild der Firma Sun Microsystems gespannt wurde, die dort früher einmal war.“

Offen gegenüber Migranten, verschlossen gegenüber Frauen

Eines bereitet der Historikerin mit Blick auf das heutige Silicon Valley besonderes Kopfzerbrechen: „Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wie ein Ort, der immer so offen gegenüber Migranten war, so verschlossen gegenüber Frauen sein kann.“ Die Chancen für Frauen in der Tech-Branche seien besser als je zuvor, sagt Berlin, „aber noch lange nicht so gut, wie sie sein müssten“. Der Sexismus sei heute subtiler als etwa in dern 70er und 80er Jahren – und deswegen schwerer zu bekämpfen. „Sandy Kurtzig war die CEO eines Unternehmens und die Leute sagten, dass sie ihnen Kaffee bringen soll“, erzählt Berlin. „Sie wusste also, womit sie es zu tun hatte.“

Um Probleme wie dieses in Zukunft zu lösen, sei es wichtig, die Vergangenheit nicht aus dem Blick zu verlieren, sagt die Historikerin. „Es passierte nicht in einem Vakuum. Die Menschen halten ‚Computer-Geschichte‘ oder ‚Tech-Geschichte‘ für etwas, dass einfach passiert ist. Aber es gibt einen Grund, warum es hier passierte und warum zu diesem Zeitpunkt. Und wir können diese Story erzählen.“

Den gesamten Podcast könnt ihr hier nachhören (englisch):

Bild: Anne Peterson Barry