„Ähm, da wären noch einige Vertragsdetails, die ich vor dem Sex gern mit dir besprechen würde.“

Sie wollen mit ihrer App die maximale Aufmerksamkeit? Kein Problem. Es muss Ihnen nur gelingen, möglichst viele Buzzwords mit ihrer Anwendung in Beziehung zu setzen. Wie wäre es mit Sex, Blockchain, Bitcoin, Künstliche Intelligenz, #Metoo? Entwicklern aus den Niederlanden ist es tatsächlich gelungen, all diese Schlagworte unterzubringen und so eine Menge Aufsehen zu erregen: mit einer App, die den Sex „sicherer“ machen soll. „Sex sollte nicht nur Spaß machen, sondern auch für alle sicher sein“, lautet der Werbespruch des Startups.

Damit ist vor allem rechtliche Sicherheit gemeint. Die Anwendung für das Smartphone heißt LegalFling und die Nutzer sollen damit vor dem Geschlechtsverkehr genau festhalten, was erlaubt ist und was nicht. Diese App ist also auch eine Reaktion auf ein neues Gesetz in Schweden, mit dem sichergestellt werden soll, dass der Sex wirklich einvernehmlich ist. Andere Länder haben angekündigt, dass sie dem Beispiel folgen werden.

Wie wäre es mit einem selbstgedrehten Video?

[contentad keyword=“adsensegs1″ align=“left“]Sobald sich ein Paar per App geeinigt hat, gibt es eine Benachrichtigung, dass die Partner den Vertragsinhalten zugestimmt haben. Wenn die User dann auf „Bestätigen“ klicken, haben sie eine rechtlich bindende Vereinbarung getroffen, die laut LegalFling in der Blockchain abgespeichert werden soll. Dieser Vertrag zwischen den Sexpartnern lässt sich sehr genau ausgestalten. Hier kann zum Beispiel entschieden werden, welche Praktiken angewendet werden dürfen. Vom Küssen, bis zum Drehen von Videos oder der Nutzung eines Kondoms.

Die Zustimmungen können aber jederzeit wieder rückgängig gemacht werden. Sollte ein Sexpartner sich nicht an die vertraglichen Details halten, kann er später sogar vor Gericht landen. Es gelten die gesetzlichen Bestimmungen des Landes, in dem die Partner die App nutzen.

Im Gründerteam sitzt offenbar keine Frau

Die Blockchain-Technologie soll übrigens nicht nur dafür sorgen, dass der Vertrag nicht gelöscht oder nachträglich verändert werden kann, sondern auch die Sicherheit der Daten garantieren, so das Startup. Die Vertragsdaten sollen mehrfach durch kryptografische Verfahren geschützt sein, die auch für die Sicherheit der Kryptowährung Bitcoin eingesetzt werden.

Jetzt kann man sich natürlich darüber aufregen, dass wir in Zeiten leben, in denen vermutet wird, dass es ein Publikum für eine derartige App geben müsse. Oder man kann sich darüber mokieren, dass im Gründerteam von LegalFling offenbar keine Frauen mitgearbeitet haben. Man könnte diese App aber auch gelassen als Aufforderung betrachten, offener mit seinem Partner über Sex zu reden. Denn dann bräuchte es so eine App überhaupt nicht. Und wenn man trotzdem das Gefühl hat, es wäre besser vor dem Geschlechtsverkehr einen Sexvertrag mit dem Partner zu schließen, sollte man vielleicht lieber nochmal seine Partnerwahl überdenken.

Apple und Google müssen LegalFling übrigens noch genehmigen. Zur Zeit ist die App noch nicht in den Download-Stores erhältlich. Die Konkurrenz, wie zum Beispiel We-Consent, ist bereits länger verfügbar.

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