Neuefeind

BH-Retterin und Bravaria-Gründerin Jasmin Neuefeind

Links ein bisschen mehr, rechts dafür nicht ganz so viel – oder umgekehrt: Die meisten Frauen haben nicht ganz gleich große Brüste. Je nach Studie sind die Brüste von 60 bis 90 Prozent der Frauen nicht ganz symmetrisch.

Im Netz finden sich zu dem Thema vor allem perfekt retuschierte Modells, die traurig in die Kamera lächeln und „hoch seriöse“ Brust-OP-Angebote empfehlen. Wer sich nicht gleich unters Messer legen will und nach einem BH sucht, der für die normale Durchschnittsfrau entworfen wurde, wird enttäuscht. Nicht der BH wird passend für die Frau produziert, es ist die Frau, die sich – notfalls mit Silikoneinlagen – an ihren BH anpassen muss.

Auch bei Männern sitzt nicht immer alles

Das soll ein Ende haben, findet Jasmin Neuefeind, Gründerin von Bravaria. Ihr Online-Shop soll im September, spätestens im Oktober, online gehen und BHs mit unterschiedlichen Körbchengrößen anbieten, die nicht zwicken und die unterschiedlichen Größen so kaschieren, dass sich die Trägerin darin wohl fühlt. So der Plan. „Betroffene Frauen müssen bisher ständig den BH zurechtrücken“, sagt die Gründerin: „Ich vergleiche das immer mit dem Ausfallschritt, den Männer machen, damit wieder alles sitzt.“ Vor allem die kleinere Frauen-Brust rutsche nicht selten im zu großen Körbchen zu weit nach unten.

[contentad keyword=“adsensegs1″ align=“left“]Um das Problem zu lösen, will Neuefeind in das Körbchen der kleinen Brust ein kleineres, passendes einnähen. So wird das geringere Volumen der Brust ausgeglichen. Am Anfang sollen nur BHs mit einer Körbchengröße Unterschied zu kaufen sein. Später sollen sich Kundinnen bei Bravaria ihre Größen, Stoffe und Farben individuell zusammenstellen können, so Neuefeind: „All das jetzt am Anfang anzubieten ist für ein Startup aber zu individuell.“ Eines Tages soll bei Bravaria auch Bademode hinzukommen.

Auf die Geschäftsidee-Idee ist die Gründerin über Freundinnen gekommen, die sich über schlecht sitzende Unterwäsche beschwerten: „Ich selbst hatte nie wirklich ein riesiges Problem“, sagt Neuefeind: „Nur wenn ich etwas zugenommen hatte.“ Vor zehn Jahren sei ihr das Thema bei einem Mädchen-Abend das erste Mal begegnet, später, als Studentin, habe sie recherchiert und nach Online-Anbietern für entsprechende BHs gesucht. Vergebens.

Ein BH im mittleren Preissegment

Nun soll aus der Marktlücke ein Geschäft werden. Finanzieren will Neuefeind Bravaria vorläufig durch einen Kredit. Ob Investoren bei ihrer Firma einsteigen sollen, ist sich die Gründerin noch nicht sicher. „Es gab aber schon zwei, drei Investoren, die Interesse gezeigt haben.“

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Allerdings scheiterte bereits eine Bravaria-Kickstarter-Kampagne im Juni mit wenigen Tausend Euro, die dort zusammenkamen. Mittlerweile habe sie aber über 700 Vorbestellungen, erzählt Neuefeind. Mit 39,99 Euro soll der Bravaria-BH im mittleren Preissegment angesiedelt sein. Produziert werden soll er wahrscheinlich in Polen.

„Vor kurzem habe ich eine Mail von einer Theaterschauspielerin bekommen, die schon einen Termin für eine OP hatte, weil sie das Zurechtrücken der Brüste auf der Bühne so gestört hat“, erzählt Neuefeind, „ich hoffe, dass Bravaria den Frauen wirklich hilft.“ Ein bisschen Vorschuss-Vertrauen hat die Gründerin mit ihrem BH-Startup schon bekommen: Der OP-Termin der Schauspielerin ist bis zum Start von Bravaria erst einmal abgesagt.

Bild: Bravaria